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Lebensräume im Wald

Ein Wald, der sich selbst überlassen ist, hat ausgeprägte Lebenszyklen. Im Verlaufe von Jahrhunderten wechseln sich dabei Werden und Vergehen ab.

  • Den Anfang bilden Schlagfluren, auf denen die alten, umgestürzten Bäume verrotten und vermodern. Sonnenlicht dringt ungehindert bis auf den Boden vor und lässt ein Dickicht von Kräutern sowie Himbeerstauden und Holunder spriessen.
  • Später beginnen einzelne Bäume, das Gestrüpp zu beschatten und so auch einzudämmen. Die jungen Waldbäume wachsen rasch. Erst nach mehreren Jahrzehnten klingt das kräftige Wachstum ab.
  • Im Reifestadium des Baums schirmt ein dichtes Kronendach den Boden ab. Im Mittelland gibt es viele reine Buchenwälder, in dem sich Besucher wie in einer grossen Halle fühlen.
  • Mit der Zeit werden die mächtigen Bäume altersschwach. Bald genügt ein kräftiger Sturm, um sie in grosser Zahl, manchmal sogar auf ganzen Hängen, umzuwerfen. Licht fällt auf den Boden und der Zyklus beginnt von vorne.

Im Wald ist ein statischer, rein bewahrender Naturschutz nicht sinnvoll. Vielmehr geht es darum, die Natur in ihrem eigenen Rhythmus gewähren zu lassen.

Verkürzter Zyklus im Nutzwald

Im Nutzwald schaut man nicht zu, wie die Bäume altersbedingt zerfallen und schliesslich umstürzen. Das wertvollste Holz liefern jüngere, gesunde Bäume. Sie werden zur gegebenen Zeit geerntet. Gezielte Aufforstungen in den Schlagfluren verkürzen den Zyklus zusätzlich.

Hat ein Wald Mensch und Tier zu schützen (Schutzwald), so gilt es erst recht, ihn jung und vital zu halten. Das ist insbesondere an den steilen Hängen der Voralpen und Alpen eine sehr schwierige und aufwändige Aufgabe.

Zu schützen und Holz zu liefern standen bis anhin als Aufgaben des Waldes im Vordergrund. Ökologische Leistungen des Waldes finden aber wachsende Beachtung.

Grossflächige Ruhegebiete

In der vergleichsweise dicht besiedelten und intensiv genutzten Schweizer Landschaft ist heute der Wald derjenige Lebensraum mit dem grössten Potenzial an Naturwerten. Um dieses Potenzial zu schützen ist es wichtig, vermehrt grossflächige, zusammenhängende Waldpartien ihrem natürlichen Rhythmus zu überlassen.

Besonders die grossen, störungsarmen Waldgebiete der Voralpen sind für viele empfindliche Tierarten, zum Beispiel für das Auerhuhn, als Ruhegebiete überlebenswichtig.

Dem Anlegen grosser Ruhegebiete stehen oft wirtschaftliche Sachzwänge entgegen. Solche verlangen ein dichtes Netz von Erschliessungsstrassen, die für Lastwagen befahrbar sind und zudem viel Freizeitverkehr anziehen. Erst eine umfassende Planung der Waldnutzung, die auch die Aspekte des Naturschutzes mit einbezieht, kann hier Abhilfe schaffen.

Naturschützerisch wichtige Waldgesellschaften, Bewirtschaftungsformen und Einzelelemente:

Waldgesellschaften

  • Arvenwälder
    In den Zentralalpen lösen die Arven oberhalb von rund 1800 Metern Höhe die Fichten ab und bilden oft auch die Baumgrenze. Eigentliche Arvenwälder gibt es heute kaum noch – sie müssen vor Eingriffen geschont und gefördert werden.
  • Flaumeichenwälder
    Am Südfuss des Berner Jura finden wir die seltenen Flaumeichenwälder – dank mildem Klima auf den steilen, nach Südosten ausgerichteten Jurahängen. Sie sind neben den Auenwäldern die artenreichsten Wälder im Kanton.
  • Föhrenwälder
    Die Föhre bevorzugt entweder sehr trockene Standorte (z.B. auf Sandsteinkuppen) oder sie wächst auf sehr nassen Böden (z.B. am Rand von Hochmooren). Föhrenbestände auf Trockenstandorten können problemlos schonend genutzt werden. Föhren in den nassen Randzonen von Hochmooren sollten aber grundsätzlich nicht angetastet werden.

Bewirtschaftungsformen

  • Plenterwald
    Der Plenterwald ist ein mosaikartig strukturierter, naturnah bewirtschafteter Wald mit Bäumen aller Altersstufen und Arten. Hauptsächlich im Emmental werden grosse Teile heute so bewirtschaftet.
  • Wytweiden
    Wytweiden oder Wald-Weiden sind Flächen, auf denen gleichzeitig Vieh- und Forstwirtschaft betrieben wird. Weide- und Waldflächen wechseln sich mosaikartig ab. Im Kanton Bern findet man sie hauptsächlich im Jura. Sie sind vom Menschen geschaffene, naturnahe Lebensräume. Ohne Nutzung im herkömmlichen Stil würden sie verwalden oder der Wald würde durch die Landwirtschaft gänzlich zurückgedrängt.

Spezielle Elemente

  • Waldrand
    Ein naturnaher Waldrand zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus. Einerseits ist er gestuft, d.h. es gibt einen Wechsel von Bäumen über Sträucher zu einem Saum von Krautpflanzen. Andererseits verläuft er nicht geradlinig, sondern gebuchtet. Da der Wald die Tendenz hat, sich auszubreiten, muss ein solcher Waldrand gepflegt werden. Es muss verhindert werden, dass die Bäume den Strauch- und Krautsaum verdrängen.
  • Schlagfluren
    Nach Stürmen oder Kahlschlag entstehen im Wald lichtexponierte, warme Stellen, die sehr schnell von vielen verschiedenen Pflanzen und Tieren besiedelt werden. Schlagfluren bewalden wieder, ohne dass gezielt aufgeforstet werden muss. Aus Sicht des Naturschutzes sind unbeeinflusste Schlagfluren als Nahrungsquelle, Versteck und Lebensraum für Tiere sehr erwünscht.
  • Altholzbestände
    Altholzbestände sind kaum durchforstete Waldpartien, in denen der ganze Lebenszyklus der Wälder ablaufen darf. Mindestens einige Bäume bleiben bis zu ihrem Zerfall stehen/liegen. Unter der Rinde und im absterbenden Holz findet sich viel Getier, das vielen Vögeln (z.B. Spechten) als Nahrung dient.

Waldnaturinventar des Kantons Bern (WNI)

Im Auftrag der Abteilung Naturförderung wurden im kantonalen Waldnaturinventar  alle naturschützerisch wichtigen Waldgebiete erfasst. Dieses Inventar dient dem Amt für Wald als Grundlage für die regionale Waldplanung.
Im Ergebnisbericht (PDF, 6 MB, 28 Seiten) sind die Ergebnisse der Erhebung zusammenfassend dargestellt.
Ein Flyer (PDF, 4 MB, 4 Seiten) gibt einen kurzen Überblick.


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